Brustrekonstruktion – Wiederherstellung nach Brustkrebs

Brustrekonstruktion – Wiederherstellung nach Brustkrebs

Nach einer Brustkrebsoperation mit Entfernung der Brust (Mastektomie) stehen betroffene Frauen vor einer schwierigen Entscheidung: Leben mit dem Verlust oder Wiederaufbau der Brust? Eine Brustrekonstruktion kann helfen, ein Stück Weiblichkeit und Normalität zurückzugewinnen und den Heilungsprozess nicht nur körperlich, sondern auch psychisch zu unterstützen.

Was ist eine Brustrekonstruktion?

Die Brustrekonstruktion ist der chirurgische Wiederaufbau einer Brust nach deren Entfernung. Ziel ist es, eine natürlich aussehende Brust zu formen, die in Größe, Form und Position der verbliebenen Brust entspricht oder – bei beidseitiger Mastektomie – ein harmonisches, symmetrisches Ergebnis zu erzielen.

Die Rekonstruktion kann erfolgen:

  • Sofort: In derselben Operation wie die Tumorentfernung
  • Verzögert: Wochen, Monate oder Jahre nach der Mastektomie

Wann ist eine Brustrekonstruktion möglich?

Grundsätzlich kann fast jede Frau nach Mastektomie eine Brustrekonstruktion erhalten. Die Entscheidung hängt ab von:

  • Tumorstadium: Ausmaß der Erkrankung
  • Therapieplan: Notwendigkeit von Bestrahlung oder Chemotherapie
  • Allgemeinzustand: Gesundheitliche Voraussetzungen
  • Persönlicher Wunsch: Ihre Entscheidung steht im Mittelpunkt
  • Zeitpunkt: Sofort oder später

Wichtig: Die Brustrekonstruktion beeinträchtigt weder die Krebsnachsorge noch erhöht sie das Risiko eines Rezidivs.

Sofortiger vs. verzögerter Wiederaufbau

Sofortige Rekonstruktion

Wiederaufbau in derselben Operation wie die Mastektomie:

Vorteile:

  • ✅ Keine Phase ohne Brust
  • ✅ Nur eine Narkose
  • ✅ Psychisch oft vorteilhaft
  • ✅ Bessere Hautqualität verfügbar
  • ✅ Oft besseres ästhetisches Ergebnis

Nachteile:

  • ❌ Längere Gesamt-OP-Zeit
  • ❌ Bei späterer Bestrahlung eventuell Komplikationen
  • ❌ Weniger Bedenkzeit

Verzögerte Rekonstruktion

Wiederaufbau Wochen bis Jahre nach der Mastektomie:

Vorteile:

  • ✅ Mehr Zeit für Entscheidung
  • ✅ Fokus zunächst auf Krebsbehandlung
  • ✅ Nach Abschluss von Chemo/Bestrahlung
  • ✅ Bessere Planung möglich

Nachteile:

  • ❌ Zweite Operation nötig
  • ❌ Phase ohne Brust (mit Prothese)
  • ❌ Narbengewebe kann Rekonstruktion erschweren
  • ❌ Oft aufwendigere Technik nötig

Methoden der Brustrekonstruktion

1. Rekonstruktion mit Eigengewebe (Autologe Rekonstruktion)

Verwendung von körpereigenem Gewebe – der Goldstandard für natürliche Ergebnisse:

DIEP-Lappen (aus dem Unterbauch)

Die häufigste und bevorzugte Methode:

  • Gewebe: Haut und Fett aus dem Unterbauch (ohne Muskel)
  • Durchführung: Mikrochirurgische Verpflanzung mit Wiederanschluss der Blutgefäße
  • Vorteil: Natürlichstes Ergebnis, „lebende“ Brust, Bauchstraffung als Nebeneffekt
  • Nachteil: Lange OP (6-8 Stunden), anspruchsvoll, längere Heilung
  • Ergebnis: Fühlt sich an wie echte Brust, altert mit dem Körper

TRAM-Lappen (ebenfalls Unterbauch)

Ältere Variante mit Muskel:

  • Gewebe: Haut, Fett und Teile des geraden Bauchmuskels
  • Durchführung: Gestielt oder frei mit Gefäßanschluss
  • Vorteil: Zuverlässige Durchblutung
  • Nachteil: Schwächung der Bauchwand, höheres Hernien-Risiko
  • Heute: Weitgehend durch DIEP ersetzt

Latissimus-dorsi-Lappen (aus dem Rücken)

Bei nicht ausreichendem Bauchgewebe:

  • Gewebe: Haut, Fett und großer Rückenmuskel
  • Durchführung: Gestielte Lappenplastik
  • Vorteil: Zuverlässig, auch bei schlanken Frauen
  • Nachteil: Oft zusätzlich Implantat nötig, Funktionsverlust am Rücken
  • Verwendung: Als Kombinationsmethode oder bei Komplikationen

Gesäßlappen (PAP/SGAP)

Alternative bei ungeeignetem Bauch:

  • Gewebe: Haut und Fett aus Gesäß oder Oberschenkel
  • Durchführung: Mikrochirurgisch
  • Vorteil: Kein Muskel betroffen, Po-Straffung als Nebeneffekt
  • Nachteil: Kleinere Gewebemenge, anspruchsvolle Technik

2. Rekonstruktion mit Implantaten

Verwendung von Silikon- oder Kochsalzimplantaten:

Ein-zeitige Implantation

  • Direktes Einsetzen eines permanenten Implantats
  • Nur bei ausreichend Haut möglich
  • Meist bei sofortiger Rekonstruktion
  • Kürzere OP, schnellere Heilung

Zwei-zeitige Implantation (mit Expander)

Die häufigere Methode bei Implantaten:

  1. Erste OP: Einsetzen eines Gewebeexpanders (leerer Ballon)
  2. Dehnungsphase: Schrittweises Auffüllen über 3-6 Monate
  3. Zweite OP: Austausch gegen permanentes Implantat

Vorteile der Implantat-Rekonstruktion:

  • ✅ Kürzere OP-Zeit
  • ✅ Keine zusätzlichen Narben am Körper
  • ✅ Schnellere Erholung
  • ✅ Geeignet auch bei schlanken Frauen

Nachteile:

  • ❌ Weniger natürliches Gefühl
  • ❌ Regelmäßige Kontrollen nötig
  • ❌ Eventuell Austausch nach 10-15 Jahren
  • ❌ Höhere Komplikationsrate nach Bestrahlung
  • ❌ Kapselfibrose möglich

3. Kombinierte Methode

Kombination aus Eigengewebe und Implantat:

  • Latissimus-Lappen plus kleines Implantat
  • Beste Kombination aus beiden Welten
  • Bei begrenztem Eigengewebe

Ablauf einer Brustrekonstruktion

Beratung und Planung

Die Planung erfolgt in enger Abstimmung mit Ihrem Onkologen:

  • Besprechung der verschiedenen Methoden
  • Analyse Ihrer Körperkonstitution
  • Berücksichtigung geplanter Therapien (Chemo, Bestrahlung)
  • Zeitpunkt der Rekonstruktion
  • Symmetrisierung der Gegenseite (falls nötig)
  • Ihre persönlichen Wünsche und Lebensumstände

Die Operation

Der Ablauf variiert je nach Methode:

DIEP-Lappen Rekonstruktion:

  1. Entnahme von Haut und Fett aus dem Unterbauch
  2. Präparation der Blutgefäße unter dem Mikroskop
  3. Formung der neuen Brust
  4. Wiederanschluss der Gefäße im Brustbereich
  5. Verschluss der Bauchnarbe (wie bei Bauchstraffung)
  6. Dauer: 6-8 Stunden

Implantation mit Expander:

  1. Bildung einer Tasche unter dem Brustmuskel
  2. Einsetzen des Expanders
  3. Teilweise Befüllung
  4. Verschluss
  5. Dauer: 1-2 Stunden

Nachsorge und Heilung

Die Heilung hängt stark von der gewählten Methode ab:

Bei Eigengewebe-Rekonstruktion:

  • Klinikaufenthalt: 5-10 Tage
  • Drainage-Schläuche für mehrere Tage
  • Intensive Überwachung der Durchblutung (erste 48h kritisch)
  • Arbeitsfähigkeit: Nach 6-8 Wochen
  • Sport: Nach 3 Monaten
  • Endgültiges Ergebnis: Nach 6-12 Monaten

Bei Implantat-Rekonstruktion:

  • Klinikaufenthalt: 2-5 Tage
  • Expander-Auffüllung: Alle 2-4 Wochen ambulant
  • Arbeitsfähigkeit: Nach 2-4 Wochen
  • Sport: Nach 6 Wochen
  • Zweite OP: Nach 3-6 Monaten

Wiederherstellung der Brustwarze und des Brustwarzenhofs

Der letzte Schritt einer kompletten Rekonstruktion:

Brustwarzenrekonstruktion

Methoden zur Formung einer neuen Brustwarze:

  • Lokale Lappenplastik: Aus der Haut der rekonstruierten Brust
  • Hauttransplantation: Von der Gegenseite oder Leiste
  • 3D-Tätowierung: Optische Darstellung (nicht-chirurgisch)

Brustwarzenhof-Rekonstruktion

  • Tätowierung: Häufigste Methode, sehr realistische Ergebnisse möglich
  • Hauttransplantation: Von der Leiste (dunklere Haut)
  • Medical Tattooing: Spezialisierte 3D-Tätowierung

Diese Rekonstruktionen erfolgen 3-6 Monate nach dem Brustaufbau, wenn die Brust ihre endgültige Form gefunden hat.

Angleichung der gesunden Brust

Für ein symmetrisches Ergebnis ist oft eine Anpassung der Gegenseite nötig:

  • Bruststraffung: Bei erschlaffter Brust
  • Brustverkleinerung: Bei zu großer Gegenseite
  • Brustvergrößerung: Bei kleiner Gegenseite (selten)
  • Lifting: Für gleiche Position der Brustwarzen

Diese Symmetrisierung kann gleichzeitig oder in einer zweiten OP erfolgen.

Besondere Situationen

Beidseitige Mastektomie

Bei beidseitigem Brustaufbau:

  • Freiere Gestaltung (keine Anpassung an Gegenseite nötig)
  • Symmetrische Planung möglich
  • Größe nach Wunsch wählbar
  • Oft einfacheres Ergebnis zu erzielen

Nach Bestrahlung

Bestrahlung erschwert die Rekonstruktion:

  • Haut ist weniger elastisch und durchblutet
  • Höheres Komplikationsrisiko bei Implantaten
  • Eigengewebe-Rekonstruktion oft bevorzugt
  • Verzögerte Rekonstruktion häufig günstiger

Prophylaktische Mastektomie

Bei sehr hohem Brustkrebsrisiko (z.B. BRCA-Mutation):

  • Vorbeugende Entfernung beider Brüste
  • Sofortige Rekonstruktion Standard
  • Bessere Ausgangssituation als nach Krebs-OP
  • Haut und Brustwarze oft erhaltbar (Nipple-sparing)

Ergebnisse und Erwartungen

Realistische Erwartungen

Eine Brustrekonstruktion kann:

  • ✅ Eine natürlich aussehende Brust schaffen
  • ✅ Symmetrie wiederherstellen
  • ✅ Kleidung normal tragen ermöglichen
  • ✅ Das Selbstwertgefühl deutlich verbessern
  • ✅ Ein Stück Normalität zurückgeben

Eine Brustrekonstruktion kann nicht:

  • ❌ Exakt die ursprüngliche Brust nachbilden
  • ❌ Volle Sensibilität wiederherstellen (Verbesserung über Zeit möglich)
  • ❌ Komplikationen zu 100% ausschließen
  • ❌ Das psychische Trauma komplett heilen (aber deutlich helfen)

Langzeitergebnisse

Eigengewebe-Rekonstruktion:

  • Lebenslang haltbar
  • Altert mit dem Körper
  • Gewichtsveränderungen beeinflussen die Brust
  • Sehr natürliches Langzeitergebnis
  • Keine weiteren Operationen nötig (außer bei Komplikationen)

Implantat-Rekonstruktion:

  • Implantate haben eine begrenzte Lebensdauer (10-15 Jahre)
  • Eventuell Austausch oder Entfernung nötig
  • Regelmäßige Kontrollen empfohlen
  • Kapselfibrose bei 10-20% der Fälle

Risiken und Komplikationen

Je nach Methode unterschiedliche Risiken:

Allgemeine Risiken

  • Blutungen und Nachblutungen
  • Infektionen
  • Wundheilungsstörungen
  • Thrombose/Embolie
  • Narkoserisiken

Spezifische Risiken bei Eigengewebe

  • Durchblutungsstörungen des Lappens (2-5%)
  • Teilverlust oder Totalverlust des Lappens (selten, 1-2%)
  • Fettgewebsnekrosen
  • Bauchwandschwäche/Hernie (bei TRAM)
  • Asymmetrien

Spezifische Risiken bei Implantaten

  • Kapselfibrose (Verhärtung, 10-20%)
  • Implantatverlust durch Infektion (2-5%)
  • Implantatruptur
  • Verrutschen des Implantats
  • Höhere Komplikationsrate nach Bestrahlung

Psychologische Aspekte

Die Brustrekonstruktion hat enorme psychologische Bedeutung:

  • Selbstbild: Wiedererlangen des weiblichen Körpergefühls
  • Partnerschaft: Mehr Selbstsicherheit in intimen Situationen
  • Alltag: Keine Prothese mehr nötig
  • Kleidung: Freie Wahl ohne Einschränkungen
  • Abschluss: Symbolischer Abschluss der Krebserkrankung

Dennoch: Psychologische Begleitung während und nach der Krebsbehandlung ist wichtig. Die Rekonstruktion allein löst nicht alle psychischen Belastungen.

Kosten und Kostenübernahme

Gesetzliche Krankenversicherung

Die Kosten werden vollständig übernommen:

  • Brustrekonstruktion nach Mastektomie
  • Angleichung der Gegenseite
  • Brustwarzenrekonstruktion
  • Korrekturoperationen bei Komplikationen

Dies gilt auch für verzögerte Rekonstruktionen, Jahre nach der Mastektomie.

Private Krankenversicherung

Je nach Tarif meist vollständige Kostenübernahme. Vorabklärung empfohlen.

Ungefähre Kosten (informativ)

  • DIEP-Lappen-Rekonstruktion: 15.000-25.000 Euro
  • Implantat-Rekonstruktion: 8.000-15.000 Euro
  • Brustwarzenrekonstruktion: 1.500-3.000 Euro
  • Angleichung Gegenseite: 3.000-6.000 Euro

Häufig gestellte Fragen

Beeinflusst die Rekonstruktion die Krebsnachsorge?

Nein, Kontrollen mittels Mammographie, MRT oder Ultraschall bleiben möglich. Bei Eigengewebe sogar einfacher als mit Implantaten.

Kann der Krebs in der rekonstruierten Brust zurückkommen?

Ein Rezidiv ist möglich, aber nicht häufiger als ohne Rekonstruktion. Die Rekonstruktion beeinträchtigt die Krebsbehandlung nicht.

Spüre ich meine neue Brust?

Die Sensibilität ist anfangs stark eingeschränkt. Bei Eigengewebe kann über Monate bis Jahre eine gewisse Empfindlichkeit zurückkehren, jedoch nie wie zuvor.

Wann ist der beste Zeitpunkt für die Rekonstruktion?

Das hängt von Ihrer individuellen Situation ab. Onkologisch gibt es meist keinen Grund gegen eine sofortige Rekonstruktion, psychologisch kann mehr Bedenkzeit vorteilhaft sein.

Muss ich die rekonstruierte Brust irgendwann austauschen?

Bei Eigengewebe: Nein, es ist eine lebenslange Lösung. Bei Implantaten: Möglicherweise nach 10-15 Jahren.

Kann ich mit rekonstruierter Brust noch stillen?

Nein, nach Mastektomie ist kein Drüsengewebe mehr vorhanden. Stillen ist nicht möglich.

Fazit

Die Brustrekonstruktion ist ein wichtiger Teil der ganzheitlichen Behandlung nach Brustkrebs. Sie bietet:

  • Wiederherstellung der körperlichen Integrität
  • Verbesserung der Lebensqualität
  • Psychologische Unterstützung bei der Krankheitsbewältigung
  • Dauerhafte Lösung
  • Verschiedene Methoden für individuelle Bedürfnisse

Die Entscheidung für oder gegen eine Rekonstruktion ist sehr persönlich. Es gibt kein „richtig“ oder „falsch“. Wichtig ist, dass Sie sich gut informiert fühlen und die für Sie beste Entscheidung treffen.

Dr. Batze berät Sie einfühlsam und umfassend über alle Optionen der Brustrekonstruktion und findet gemeinsam mit Ihnen den besten Weg.

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